Der Verein


Der Waldbauverein Ganerb wurde am 28. Oktober 1983 mit Hilfe des damaligen Forstamtes Speyer von 17 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Viele waldbauliche und gesellige Aktivitäten ließen den Verein mittlerweile auf 425 Mitglieder anwachsen. Mitglieder sind Privatwaldbesitzer aus dem Bereich der Verbandsgemeinde Dudenhofen und der Gemeinde Römerberg.

In den Gemarkungen dieser Gemeinden liegt Privatwald mit einer Gesamtfläche von 332 ha mit über 1000 Besitzern. Aufgrund der "Realteilung" im pfälzischen Raum sind die Waldparzellen ungünstig geformt. Das durchschnittliche Waldflurstück ist rund 0,1 ha groß, ist 2-7m breit und 150- 600 lang. Nur wenige Parzellen sind katastermäßig versteint.

Der Privatwald wurde von einem Waldbauverein geschaffen, nur so ist die Gleichaltrigkeit des Waldes auf großer Fläche erklärbar. Noch 1950 existierte ein solcher Verein. Doch bedingt durch den Siegeszug von Öl, Gas, Kunststoff und Beton sank das Interesse der Waldbesitzer an ihrem Wald. Und als die Forstämter der Landwirtschaftskammer aufgelöst wurden, "schlief" auch der ehemalige Waldbauverein im Raum der Verbandsgemeinde Dudenhofen ein. Die Besitzer nutzten ihren Wald- wenn überhaupt – nur als Brennholzquelle. Der Privatwald bestand bald fast ausschließlich aus ungepflegten, dichten Kiefernbeständen.

Die Verkehrssicherungspflicht, Windwurf, großflächiger Fraß durch Insekten, Eis- und Schneebruch zeigten bald überdeutlich, dass das Handeln einzelner Waldbesitzer nicht ausreichte, um die vielen Schwierigkeiten zu meistern, die auch infolge der Vernachlässigung der Bestandspflege entstanden waren und noch einzutreten drohten. So kam es 1983 zur Gründung des Waldbauvereins Ganerb.

Der Verein wollte von Anbeginn Laubholz in die Kiefernmonobestände einbringen und den Privatwald nach und nach in einem Nadel-Laub-Mischwald umformen.

Da die Kiefer zu dicht standen und daher nur wenig Licht auf den Boden gelangte, war es zunächst nicht sinnvoll, Laubgehölze darunter zu pflanzen. Durch die Aufforstung von im Wald und an seinen Rändern gelegenen Ödlandparzellen und die Wiederbepflanzung von Waldparzellen, die dem Eisbruch zum Opfer gefallen waren, konnten bis 1990 17 ha Roteichenkulturen mit Hainbuchen- bzw. Rotbuchen- Beimischung angelegt werden. Man glaubte damals noch, auf den armen, trockenen Standorten keine anderen Baumarten mit Erfolg anbauen zu können.

Einige Mitglieder wirkten als Arbeitsgruppe. Sie fällten Holz, setzten die Pflanzen, errichteten Zäune usw. Die insgesamt zu erfüllenden Arbeiten hatten schon bald nach der Vereinsgründung einen Umfang erreicht, der ohne Maschinen und Geräte nicht mehr zu bewältigen war. 1987/88 erwarb der Verein einen gebrauchten Schlepper mit Anhänger, Seilwinde und Mulchgerät.

Der ganze Privatwald wurde in 3 Abschnitten (1988, 1993 und 1997) vollständig gekalkt. Auf einer Teilfläche von ca. 100 ha wurde inzwischen die Bodenschutzkalkung bereits zum 2. Mal durchgeführt. 1988 wurde der Kalk vom Boden aus in den Wald geblasen. Da die Fördermittel die Kosten nur zu 80% deckten, führte der Verein die Kalkung in Eigenleistung durch, um die Mitglieder nicht finanziell zu belasten. Die späteren Kalkungen erfolgten per Hubschrauber.

Die Sturmkatastrophe 1990 brachte einen großen Einschnitt. Über 10.000 Festmeter Holz (vor allem über 60- jährige Kiefern) wurden geworfen. Auf rund 40 ha lagen die Kiefernbestände völlig zu Bode. Der Verein machte sich an die Arbeit. Er räumte die Flächen und forstete die geschädigten Bestände bis 1995 wieder auf.

Mit Fördermittel in Höhe von 438 000 DM = 224 000 Euro unterstützte das Land Rheinland. Pfalz diese Arbeit. Auf den Windwurfflächen (rund 40 ha) wurden 80.000 Pflanzen der Baumarten Stieleiche, Traubeneiche, Esskastanie, Rotbuche, Hainbuche, Roteiche und Wildkirsche gesetzt.

Der Waldbauverein, der die Aufforstungsaktion organisierte, umsetzte und für den Zufluss öffentlicher Fördermittel sorgte, konnte vielen Waldbesitzern seine Daseinsberechtigung und seine Leistungsfähigkeit beweisen. Der Verein wuchs um über 250 Mitglieder.

Inzwischen war der Maschinen- Gerätebestand über das Lagervolumen hinausgewachsen, das einzelne Mitglieder zur Verfügung stellen konnten. Eine vereinseigene Gerätehalle wurde 1995/96 erbaut, das Land steuerte rund 27 000 DM = 13 800 Euro bei. Sie beherbergt heute einen Forstschlepper, Anbaugeräte, Motorsägen, Freischeidegeräte, unterschiedlichste Werkzeuge und einen Waldarbeiter- Schutzwagen. Gleichzeitig wird in ihr notwendiges Forstschutzmaterial gelagert.

Seit 1995 hat für den Verein die Pflege der seit 1983 entstandenen Jungbestände Vorrang. Inzwischen sind über 45 ha durchgearbeitet.

Das Sturmtief Wiebke hatte 1990 nicht nur Kahlflächen hinterlassen. In den trockenen Sommermonaten der Folgejahre wurde deutlich, dass auch die Bäume, die stehen geblieben waren, im Wurzelbereich Schäden erlitten hatten. Ihre Widerstandskraft war deutlich geschwächt, nicht wenige Bäume starben ab. Die Bestände lichteten sich, stellenweise entstand eine üppige Kiefern-Birken-Naturverjüngung.

Nun war es Zeit, auch in die vorhandenen Kiefernbestände Laubholz einzupflanzen (zu "unterbauen") und den Umbau der artenarmen Kiefernbestände in artenreichere Laub-Nadelholz-Mischbestände einzuleiten. 1998 und 99 unterbaute der Verein je 5 ha Kiefernbestände mit Rot- und Hainbuchen. In Bestandeslücken wurden Esskastanien, Traubeneichen, Wildkirschen und Sträucher eingebracht ( "Voranbau"). Auch diese Maßnahmen förderte das Land Rheinland- Pfalz (52 097 DM = 26 600 Euro).

Jeder Privatwaldbesitzer ist Mitglied der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Da die Unfallgefahr bei der Waldarbeit sehr hoch ist (im Mittel erleidet jeder Profi-Waldarbeiter alle 3 Jahren einen Unfall!), ist diese Zwangsmitgliedschaft sicherlich sinnvoll. 1997 legte die Mitgliederversammlung der LBG neue Mitgliedsbeiträge fest, die vor allem den Kleinprivatwald hart treffen. Jährlich muss jedes Mitglied neben einer flächenbezogenen Komponente ( ca 2.- Euro je Hektar und Jahr) einen Grundbeitrag in Höhe von 61,36 Euro zahlen. Wer 1000 m2 Wald besitzt muss feststellen, dass der LBG- Grundbeitrag in 15 bis 20 Jahren den Verkehrswert seines Grundstücks "aufgefressen" hat.

Verständlicherweise versuchten viele Waldbesitzer dieser Zahlungspflicht zu entgehen. Die Erklärung, den Wald nicht nutzen zu wollen, fruchtete nichts. Auch die Gerichte waren der Meinung, die in den Wald- und Forstgesetzen formulierten Pflichten der Waldbesitzer zwängen diese zu bestimmten, Unfall-Versicherungspflichtigen Handlungen in ihrem Wald, und sei es nur einmal im gesamten Bestandesleben. Angesichts der mit dem Waldeigentum verbundenen Belastungen war auch kaum jemand bereit, Wald zu kaufen.

 

1999 griff der Verein dieses Problem auf und bot 2 Lösungen an:

a) Seinen Mitgliedern gegenüber erklärte er sich bereit, ihren Wald für eine ideelle Entschädigung anzupachten. Er trägt damit den LBG-Beitrag. Mittlerweile nutzen ca. 160 Mitglieder dieses Angebot. Da auch der Verein den Grundbeitrag nur einmal (also nicht je Mitglied) zahlen muss, werden die Waldbesitzer auf diese Weise um rund 13.000,00 Euro je Jahr entlastet!

b) Er richtet eine "Waldbörse" ein: Kauf- und verkaufswillige Waldbesitzer wenden sich an den Verein, der dann zwischen Anbieter und Nachfrager vermittelt.

Der heutige Leistungskatalog des Vereins ist beachtlich:

  • Er führt Waldarbeiten aller Art durch, z. B. Fällen und Rücken von Holz, Pflanzungen, Erstaufforstung, Auf- und Abbau von Zäunen und anderer Schutzeinrichtungen gegen Wildschäden, Pflege der jungen Bestände.

  • Holzverkauf für die Mitglieder, Brennholzverkauf an die Mitglieder,

  • Fortbildung der Mitglieder – z.B. durch Exkursionen (Reichswald Nürnberg, Forstamt Entenpfuhl, Besuch eines Furnierwerkes, der "Interforst" in München, des Stadtwaldes Lübeck, der "Grünen Woche" in Berlin, ANW- Exkursionen ) und Vorträge (z.B. durch FVA zum Thema "Waldschäden", durch Berufsgenossenschaften zum Thema "Unfallverhütung).

  • Lehrgänge- wie z.B. "Richtiger Umgang mit der Motorsäge", "Richtiges Kettenschärfen", "Unfallverhütung"

  • Informationsveranstaltungen, z.B. freiwilliger Landtausch (Kulturamt Neustadt), Aufbau der neuen Zentralstelle der Forstverwaltung in Neustadt

  • Beratung der Mitglieder über die richtige Bestandespflege, die Holzernte, den Holzverkauf, die Baumartenwahl, über Pflanzenverfahren.

  • Abschluss einer Waldbrandversicherung für Mitglieder

  • Abwicklung von Formalitäten, Behördengängen (v.a. in Verbindung mit Förderungen)

- Abschluss einer Haftpflichtversicherung, in der hauptsächlich

Verkehrssicherungsprobleme der Privatwaldbesitzer abgesichert sind

- Mitglieder erhalten zum Selbstkostenpreis Pflanzen und Forstschutzmaterial.

Außerdem handelte er für Vereinsmitglieder Sonderkonditionen bei örtlichen Motorsägenwerkstätten aus.

Der Waldbauverein Ganerb widmet sich aber nicht nur dem Wald seiner Mitglieder. Er sorgt auch für das gesellige Beisammensein! Zahlreiche Veranstaltungen gehören zum feststehenden Jahresprogramm des Vereins:

  1. Im April führt eine Radwanderung durch den Privatwald, sie greift wichtige, aktuelle Themen auf. (1999 beteiligten sich 60 Mitglieder. 2000 stand die Radtour unter dem Motto: "10 Jahre nach Vivian und Wiebke- unser Wald hat sich verändert". – 50 Teilnehmer)

  2. Im Sommer wird eine 5-tägige Wochenendreise angeboten, z.B. München, Paris, Berlin, Prag, Lüneburgerheide, Wien, Berchtesgadener Land, Schlösser an der Loire, u.a.

  3. Im Herbst folgt ein weiterer eintägiger Vereinsausflug.

  4. Anfang November findet eine Brennholzaktion und ein Ketten-Schärflehrgang (Motorsäge) statt.

  5. Die jährliche Generalversammlung wird mit aktuellen Informationen aus der forstlichen Welt und Diavorträgen aus dem Naturbereich aufgewertet.

In den kommenden Jahren möchte der Waldbauverein Ganerb:

  • seinen Mitgliedern die Ziele und Vorteile der naturgemäßen Waldbewirtschaftun nahe bringen und sie anregen, diese Methode auch in der Praxis umzusetzen., ( der Grundstock hierzu wurde durch das Pflanzen von über 100 000 Laubbäumen in den letzten Jahren bereits gelegt.)

  • den Anteil des Laubholzes im Privatwald weiterhin deutlich steigern, (Heutiger Anteil: über 20 %)

  • jüngere Vereinsmitglieder an die Arbeit im Privatwald heranführen, denn nach wie vor sind viel Aufgaben nur dann erfüllbar, wenn freiwillige Kräfte zur Verfügung stehen.

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