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24.11.2008

Saurer Boden und Misteln gefährden Baumbestand

Thema bei Versammlung des Waldbauvereins


Eine rasante Zunahme des Befalls mit Misteln, die andauernde Übersäuerung des Bodens - Förster Peter Eberhard macht sich Sorgen um den Zustand der Bäume in seinem Verantwortungsbereich. Der Experte, in Personalunion Vorsitzender des  Waldbauvereins Ganerb, berichtete bei dessen Generalversammlung über die häufigsten Schadensbilder.

Nur noch oberflächlich betrachtet sei die Welt im Forst in Ordnung wirkten die Bäume grün und gesund. Erst bei näherem Hinsehen fielen dem Fachmann die vielen schütteren Kronen auf. Betroffen sei speziell die Kiefer. Dass kahle und kranke Bäume stärker ins Auge fielen, werde häufig durch starken Befall durch Misteln verdeckt. Der nimmt infolge der klimatischen Veränderungen nach den Beobachtungen des Försters rasant zu. Ein zweites, noch immer ungelöstes Problem stellt für Eberhard die andauernde Versauerung des Bodens dar, die ein gesundes Wurzelwachstum verhindere und in der Konsequenz den Pilzbefall der Bäume befördere.

Die Generalversammlung im Jubiläumsjahr - der  Waldbauverein feierte im Oktober sein 25-jähriges Bestehen - war aber auch Gelegenheit für eine wirtschaftliche Zwischenbilanz: Nach einem kurzen Hoch konstatierte Eberhard wieder eine rückläufige Nachfrage von Holz und geringere Preise. Mittlerweile haben 170 Privatwald-Besitzer ihre Parzellen an den Verein verpachtet. Eberhards Appell, den Bestand zu nutzen und zu pflegen, sei nicht ungehört im Unterholz verhallt: 48 Eigner von 100 Flurstücken gaben dem Verein für Pflegeeinsätze auf ihren Flächen grünes Licht.

In einem ausführlichen Referat informierte Werner Öchsler von der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft über Sicherheits- und Versicherungsaspekte der Waldarbeit. Die wesentliche Botschaft: nie alleine Bäume fällen, Holz machen, immer die vorgeschriebene Schutzkleidung tragen. Das Risiko: In der gewerblichen Wirtschaft erleide im Jahr einer von 16 einen Arbeitsunfall, in der Landwirtschaft sind es zwei, auf dem Bau sieben, in der Forstwirtschaft sei immerhin jeder Dritte betroffen.

Kassier Emil Münzer konnte die Rücklagen um einige Cent mehren. Aktuell führt er 427 Mitglieder. Deren Altersdurchschnitt liegt bei über 60. Zwischen 27 und 40 Jahren sind es lediglich zehn Beitragszahler. Bei den Neuwahlen des Vorstands wurde die Führungsspitze einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. (län)

 



Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Speyerer Rundschau
Ausgabe: Nr.274
Datum: Montag, den 24. November 2008
Seite: Nr.28




 

 


Mit Baum und Borke
25 Jahre Waldbauverein - Nach Stürmen 40 Hektar aufgeforstet

Als in den „Wirtschaftswunderjahren" die Brennstoffe Öl und Gas billig zu haben waren, wurde der Waldbauverein in Dudenhofen aufgelöst. 17 Interessierte haben ihn am 28. Oktober 1983 unter dem Namen „Forstbetriebsgemeinschaft Ganerb" neu gegründet. Bei der Jubiläumsfeier am Freitagabend im Bürgerhaus zählte Vorsitzender Peter Eberhard heuer 423 Mitglieder.

Die Anfänge waren bescheiden. Der Verein wollte ursprünglich, so Eberhard, die Privatwaldbesitzer unterstützen und beraten. Später folgten 17 Hektar Aufforstungen mit Laubholz, um den Kiefernbestand aufzulockern, sowie erste Kalkungen gegen die Versauerung des Bodens. Nie zuvor erlebte Stürme wie „Wiebke" und „Lothar" fällten schließlich in den 1990er Jahren einen Holzbestand von r und 10.000 Kubikmetern. In vielen Aktionen forstete der Waldbauverein Ganerb 40 Hektar mit 80.000 jungen Bäumen auf. Die Mittel dazu stellten Land und EU zur Verfügung, rund 500.000 Euro.

Weil die Versicherungsbeiträge 1999 drastisch erhöht wurden, traten dem Verein 100 neue Mitglieder bei. Daraus entwickelte sich die Idee, Waldflächen von Privatbesitzern zu pachten und deren Versicherungsleistungen zu übernehmen. Nach Angaben Eberhards entlastet das die Privatbesitzer um jährlich 13.000 Euro.

Der Waldbestand von neun Millionen Hektar sei ein wesentlicher Faktor im Emissionshandel, sagte Norbert Schindler, Winzer und Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Vizepräsident des deutschen Bauernverbands und CDU-Bundestagsabgeordneter. Daneben sei der Wald w
ichtig für Wirtschaft und Naherholung.

Verbandsgemeindebürgermeister Clemens Körner erläuterte, dass es in der Verbandsgemeinde 912 Hektar Wald gebe, davon befänden sich 300 Hektar im Besitz von mehr als 1000 Privatleuten. An Zuschüssen zahlten Hanhofen 150.000 Euro, Harthausen 200.000 Euro und Dudenhofen eine Million Euro - auch wenn der Wald längst nicht mehr die „Sparkasse des kleinen Mannes" sei, so Körner.


Monika Bub, Leiterin des Forstamtes Pfälzer Rheinauen in Bellheim, relativierte das Jubiläum. 25 Jahre wären für den Wald, für einen Baum, eine sehr geringe Zeit, sagte Bub. Der Mensch brauche den Wald, nicht umgekehrt. Anerkennung zollte sie der Leistung des Vereins, den instabilen Kiefernbestand und das Landschaftsbild positiv verändert zu haben.

Mit einem Präsent ehrte Eberhard die Gründungsmitglieder Gregor Zerf, Eugen Haberstock, Lothar Flörchinger, Karl-Heinz Grill, Hermann Hoffmann, Edgar König, Gustav Bäcker, Willi Beck und Theo Beck. (län)

 

 

 

 

 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Speyerer Rundschau
Ausgabe: Nr.251
Datum: Montag, den 27. Oktober 2008
Seite: Nr.30


Bilder: Privat

 

 

 


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